Eines gemütlichen Abends – ist schon ein paar Monate her – liege ich gerade faul auf dem Bett und lese Eric Flinn’s überragendes, wenn auch etwas arg amerikanophiles, Werk “1632″, als ich aus dem Augenwinkel sehe, dass unter dem Nachttisch auf Pias Bettseite etwas glitzert. Dummerweise aber keine vergessene Münze oder so, sondern Wasser. Eine Pfütze von ‘nem knappen halben Quadratmeter, die sich schön unter dem kompletten Tisch und bis fast zum Schlafzimmerfenster ausgebreitet hat… und so wie’s aussieht da schon eine Zeitlang stand, denn das Holz des – im übrigen gar nicht mal so billigen – Schlafzimmermöbels hat sich bereits ordentlich vollgesogen und infolge der wasserbedingten Ausdehnung an der Unterseite das Furnier abgesprengt.

Ein Schuldiger ist auch schnell gefunden: die Wasserflasche, die Pia sich am Abend zuvor ans Bett gestellt hat, muss umgekippt oder undicht geworden sein. Pias Einwand – “Dann müsste ich ja wohl geschlafgewandelt sein. Die Flasche ist nämlich noch zu. Und raustropfen tut da auch nix” – entbehrt natürlich auch nicht einer gewissen Logik, aber wo soll das Wasser denn bitte sonst herkommen?! Und überhaupt: es ist ihr garantiert einfach nur zu peinlich zuzugeben, dass ihr die Flasche runtergefallen ist und sie nicht bemerkt hat, wie sie ausgelaufen ist oder so…. geht ja gar nicht anders.
[Zeitsprung. Ein paar Monate später. Freitag.]
Scheiße, was ist das denn bitte für ein Unwetter?! Der Regen schlägt horizontal gegen die Scheiben meines Arbeitszimmers, Blitze zucken im Zehnsekundentakt, und beim Nachbarn drüben läuft ein geschlossener Vorhang aus Wasser die Markise ‘runter. Zeit, ins Bett zu gehen, mich in die Decken einzumummeln und noch ein paar Seiten vom nicht mehr ganz so guten, aber immer noch soliden “1633″ zu lesen, bevor ich begleitet vom monotonen Regenprasseln und Donnergrollen da draußen langsam wegdöse.
Doch plötzlich, in meinem Augenwinkel… ihr ahnt es schon: ein Glitzern. Wieder Wasser, dieses mal direkt unter unserem Schlafzimmerfenster. Panisch werfe ich das Buch zur Seite, springe auf, hechte über’s Bett und begutachte das Ausmaß der Katastrophe. Offensichtlich sind die beiden (!) Dichtungen des Fensters nicht wirklich dicht, so dass von dort ein mittelgroßer Sturzbach die untere Scheibe entlangfließt, die Fußbodenleiste ist komplett durchnässt, und unter dem Laminat eine kleine Pfütze bildet. Gott sei Dank sind da aber nur ein paar wenige Tropfen hingekommen. Nichts, dem man mit ein paar Tüchern nicht beikommen kann. Glück im Unglück also.

Trotzdem werde ich jetzt mal unsere Vermieterin anrufen, damit sie noch mal den Fensterfuzzi vorbeikommen lässt, der sich damals um unsere Fensterdichtungen gekümmert hat.
Und ‘nen dicken Blumenstrauß für Pia organisieren – wegen der falschen Verdächtigungen und so.