Augen auf beim Autokauf
Gestern waren Pia und ich in Mönchengladbach, um uns ein Auto anzusehen… einen alten 1998er Mini Cooper, um genau zu sein. Und das ganze war eine seeeeehr interessante Erfahrung.
Die Anzeige im Internet war schon extrem vielversprechend: “Traum Mini!! Kein Rost!!”, “Technisch und Optisch in einem Top Zustand!”, knappe 100.000km auf der Uhr, und das ganze für einen fairen Preis. Besonders vertrauenserweckend war, dass der Verkäufer auch Detailfotos der typischen Mini-Problemstellen gemacht hat, um zu zeigen, dass hier alles in Ordnung ist.
Also haben wir spontan einen Termin für gestern abend, 20:00 Uhr gemacht und sind direkt nach Feierabend losgedüst. Am Telefon erklärte mir der freundliche Verkäufer, dass er selbst drei alte Minis hat, und jetzt mal langsam die Garage ausmistet. Die Kiste stünde sowieso schon seit einem Jahr abgemeldet bei ihm herum, und dann könne er sie auch genausogut verkaufen.
“Klingt ja spitze”, dachten wir uns: “ein Kenner. Der weiß ja dann, worauf man so alles achten muss, und wie man so ein Wägelchen pfleglich behandelt.”
Tja, was soll ich sagen…ach: lest einfach selbst!
Nach 2 Stunden Autofahrt kamen wir am vereinbarten Treffpunkt – der Wohnung des Verkäufers – an. Dort wartete er auch schon und zeigte uns seinen Hof, wo auch die beiden anderen Minis standen. Seiner, und der alte von seinem Opa.
Die Besichtigung und das Verkaufsgespräch dauerten dann ca. anderthalb Stunden – zusammengefasst lief das etwa so ab:
.
“So, das hier ist der Wagen. Kennt ihr euch ein bisschen mit Minis aus?”
“Naja, das ist jetzt der erste, den wir begutachten. Aber wir haben uns vorher ein bisschen schlau gemacht.”
“Ah ja, okay. Ich zeig’ euch grad mal alles. Das ist übrigens der alte Mini von meiner Freundin. Die fährt ihn jetzt nicht mehr. Schaut euch ruhig alles in Ruhe an! … also der Wagen wurde komplett von ‘ner Fachwerkstatt für Minis in Schuss gebracht – der ist Tipptopp. TÜV hat er auch, letzten Monat gemacht – das ist immer ganz wichtig bei den alten Minis. Wenn die keinen TÜV haben, lasst die Finger weg! Und guckt mal hier: Dreiecksbleche sind komplett neu, der ganze Unterboden ist neu gemacht, die Windschutzscheibe und die Dichtung sind neu…”
“Jau. Sieht auf den ersten Blick echt spitze aus. Hast du vielleicht noch ‘ne Rechnung von der Werkstatt, wo man das ein bisschen nachvollziehen kann, was da gemacht wurde und so?”
“Nee nee, hab ich nicht. Ich hab’ das da in der Werkstatt bei ‘nem Kumpel machen lassen. So unter der Hand. Sonst kann das ja keiner bezahlen.”
“Okay, kein Ding. Wir schauen uns die Kiste mal näher an, ja? (…) Oh, schau mal hier unten unter der Beifahrertür. Da ist aber schon ganz schön viel Rost, oder?”
“Hehe, ja. Das – äh – das haben die aber alle. Einen Classic Mini ohne Rost findet man eigentlich fast gar nicht mehr… hat meiner aber auch, hier guck mal. Und Öl verliert der auch ein ganz kleines bisschen, aber das hat meiner auch. Das haben die alle. Ist normal” [das stimmt übrigens - ein Freund, der sich auskennt, meinte: Ein Mini, der gar kein Öl verliert, hat wohl einfach keins drinne.]
“Jaja, ist ja kein Ding. Dass hier und da ein Rostfleckchen ist, kann man wohl nicht ganz vermeiden. Es ist halt nur so, dass in deiner Anzeige steht: Kein Rost”
“Ja, guut. Ein bisschen vielleicht. Aber auch nur da.”
“… und hier vorne am Blinker. Da ist sogar ein Loch im Blech.”
“Oh äh ja. Das hab ich noch gar nicht gesehen. Aber das ist auch so ne Mini-Schwachstelle. Das haben die alle.”
“Okay, wie gesagt: uns ist bewusst, dass wir hier keinen neuen BMW kaufen, sondern ein 12 Jahre altes Auto… ein bisschen Rost ist da nicht schlimm. Wir gucken mal weiter. (…) Ähm, du: hier in der Reserveradmulde ist auch ganz ordentlich der Rost drin. Schau mal!”
“Ähm, da bitte nicht so fest drücken. Da ist das Blech so dünn. Und das Loch da – das ist, damit das Wasser da ablaufen kann.”
“Na gut, okay. Schauen wir uns den Wagen mal von innen an. Sieht ja super aus. Aber das Wurzelholz hier ist ja schon ziemlich abgenutzt und ein bisschen angelaufen, oder? Ist da mal Wasser eingedrungen?”
“Nein. Aber das haben die alle. Guck mal hier, meiner hat das auch. Das ist normal für die alten Minis.”
“Na gut, ist ja nix gravierendes. Da können wir ja mal gucken, ob wir vielleicht preislich was machen können. Schauen wir mal. Ansonsten sieht das hier doch alles echt gut aus. Alle Knöpfe funktionieren. Darf ich mal den Motor anmachen?”
“Klar.”
“Danke… okay, schnurrt ja echt sauber. Kupplung scheint okay zu sein. Prima. Können wir ‘ne kleine Probefahrt machen?”
“Logisch. Ist es okay, wenn ich den Wagen erst mal aus der Stadt ‘rausfahre und euch ein bisschen was erzähle, und wir dann ‘nen Fahrerwechsel machen?”
“Ja, das klingt prima. Äh, aber du: wusstest du, dass hier das Gurtschloss auf der Beifahrerseite fehlt?”
“Was? Äh nee. Ist wie gesagt der Mini von meiner Freundin. Ich bin da nicht so oft damit gefahren…”
“Okay, egal – dann fahr halt einfach ein wenig vorsichtig. Für die Probefahrt wird das mal so gehen. So ein Gurtschloss kostet ja sicher nicht die Welt.”
“Gut. Los geht’s. Blablabla toller Mini, fährt sich spitze blablabla.”
[Fahrerwechsel]
“Hm, stimmt. Der fährt sich wirklich spitze. Motor und Fahrwerk fühlen sich gut an. Bremsentest ist okay. Aber warum steht die Tankuhr auf leer?”
“Ach, die spinnt öfter mal. Das ist so bei den alten Minis. Meiner hat das auch.”
“Gut, es gibt ja auch schlimmeres als eine defekte Tankuhr.”
“Nein, die ist nicht defekt. Die spinnt nur jetzt gerade.”
“Okay, fahren wir einfach noch ein bisschen ‘rum. (…) Du, warum funktionieren denn die Nebelscheinwerfer nicht?”
“Hmmm, ja. Also die gehen schon länger nicht. Ich weiß auch nicht genau.”
“Das Standlicht links ist auch defekt.”
“Oh, echt? Hab ich noch gar nicht bemerkt.”
“Ja, und hinten links das Rücklicht… das ging vorhin auch nicht.”
“Oh, hehehe, äh… ja, da ist sicher die Birne durchgebrannt. War ja das Auto von meiner Freundin, und die achtet da nicht immer so drauf.”
“Hey, kein Ding. Können wir nach der Probefahrt einfach mal ein neues Birnchen ‘reinschrauben, um zu sehen, ob die Elektronik okay ist?”
“Klar, das machen wir. Fahr da vorne links, dann sind wir wieder bei mir.”
“So, am besten nehmen wir einfach ein Birnchen von deinem Mini und bauen’s hier in den ein.”
“Klar, das geht aber nur hinten. Vorne müssten wir den ganzen Scheinwerfer ‘rausnehmen, das ist etwas komplizierter. Machen wir erst mal das Rücklicht. Guck, da schraube ich einfach hier auf und nehmen hier das Gehäuse ab…”
“Oha, die Dichtung taugt aber auch nicht mehr viel, oder?”
“Ach, die braucht man gar nicht. Hab ich bei meinem auch nicht drinne. So. Dann schrauben wir jetzt das Birnchen rein. Mach mal Licht an, sollte funktionieren.”
“Nein.”
“Hmmm… oh klar, das Birnchen ist auch durchgebrannt. Guck mal, da oben isses ein bisschen schwarz.”
“Naja, also der Glühdraht ist noch okay…. egal. Wollen wir mal schauen, ob die Sicherung durchgebrannt ist?”
“Oh ja, das kann gut sein. Da vorne ist der Sicherungskasten.”
“Jap. Die Sicherung ist durch. Hier liegt noch ‘ne stärkere Ersatzsicherung, ich nehm mal einfach die zum Testen.”
“Jaja, das ist kein Problem. Kannste auch ruhig drinne lassen. Stärkere Sicherungen kann man immer nehmen. Im schlimmsten Fall brennt die Birne durch… da passiert nix.”
“Ähm naja, gut. Geht’s jetzt?”
“Ja, jetzt leuchtets. Und die Nebelscheinwerfer gehen auch wieder.”
“Prima. Ich glaube, dann haben wir jetzt genug gesehen. Lass uns mal über den Preis reden.”
“Ja klar. Also wie gesagt: an dem Wagen ist viel gemacht worden. Da hab’ ich insgesamt fast 5000 Euro reingesteckt. Eigentlich wollte ich den ja für 7000 reinstellen….”
“Ähm ja. Aber da gibt es ja schon noch einiges, was da dran gemacht werden muss.”
“Ja, aber das haben die alle. Du findest heute keinen guten Mini mehr zu DEM Preis… blablabla.”
“Du, schau doch grad mal hier. Unter der Gummileiste hier ist das komplette Blech weggerostet… da fehlt bald ein Zentimeter. Alleine das wieder hinzubekommen, kostet wohl so gute 150 Euro” [In solchen Situationen macht es sich bezahlt, den oben erwähnten Freund mit dem guten Fachwissen am Telefon bereitstehen zu haben - Danke Sascha!]
“Hmmm gut. Ein bisschen kann ich euch schon entgegenkommen.”
“Naja, wir werden uns schon irgendwie einig. Können wir noch die Papiere und TÜV-Unterlagen und so sehen?”
“Klar, kommt mit hoch. Da habe ich alles vorbereitet. (…) Sooo, hier ist der TÜV-Bericht. Wie ihr seht alles okay, und ganz frisch.”
“Du, warte mal. In deiner Anzeige steht doch, dass der Wagen 104.200km auf der Uhr hat. Der Tacho hat aber 14.000km [Anm. Ralle: fünfstelliger Tacho!] angezeigt. Seid ihr noch 10.000km damit gefahren, nachdem ihr das Inserat ins Internet gesetzt habt?”
“Ähm…. nein… denn… äh… der … war ja abgemeldet. Da habe ich mich wohl vertippt…. Ähm, hier ist übrigens der Fahrzeugbrief. Super, gell? Nur zwei Vorbesitzer. Und alle schon etwas älter – also keine Heizer. Super, oder?”
“Moment mal! Hier steht, dass der Wagen zuletzt auf eine Frau Sauer mit Geburtsjahr 1970 zugelassen war. Deine Freundin ist aber allerhöchstens 30…”
“Ja, nee. Wir hatten den nie zugelassen.”
“Aber du sagtest doch vorhin, dass das der Mini deiner Freundin war.”
“Ja.”
“Das musst du mir erklären.”
“Ja also, wir sind da immer mal mit Überführungskennzeichen ‘rumgefahren und so.”
“Hast du denn wenigstens einen Kaufvertrag, mit dem du nachweisen kannst, dass die Kiste euch gehört?”
“Nein. Also doch. Also den finde ich jetzt bestimmt nicht auf die Schnelle. Aber ich kann den Wagen ja morgen auf mich zulassen, dann wisst ihr…”
“Du, weißt du was? Wir beenden das jetzt an der Stelle und fahren nach Hause. Wenn du den Kaufvertrag doch noch finden solltest, kannst du dich ja gerne noch mal melden. Meine Nummer hast du ja. Danke für die Zeit. Tschüs.”
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Und ich schwöre euch: nicht eine Zeile davon ist erfunden.
Naja, wir sind nicht böse drum. Knapp 450km Fahrt, 50 Euro und noch ein bisschen Rennerei für die Kurzzeitkennzeichen sind zwar nicht ohne, aber wir verbuchen das ganze einfach mal unter Erfahrung. Beim nächsten Mini wissen wir dann schon etwas besser, worauf man so achten muss.
Aber dann lassen wir uns trotzdem zuerst den Brief zeigen.
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17. Juni 2010 um 15:41
Mensch, Ralle, du bist aber auch kritisch!
*Tränen vom Lachen wegwisch*
Der Mini sieht aber wirklich klasse aus in dem British Racing Green. Ich verstehe, warum ihr für den hier hochgefahren seid.
Unseren neuen New Mini (..) haben wir auch in der Farbe bestellt.
17. Juni 2010 um 17:48
UNSEREN NEUEN NEW MINI….häpäpäpäääh
17. Juni 2010 um 19:11
Was nehme ich aus dieser Geschichte mit? “Das haben die alle.”
Da hat aber einer im Inserat eine Menge schöner dargestellt, als es dann wohl war.
19. Juni 2010 um 15:39
[...] Heute waren wir mal wieder einen Mini besichtigen. Dieses mal nicht ganz so weit weg. Und auch sonst ist alles irgendwie anders gewesen als beim letzten mal. [...]
22. Juni 2010 um 13:42
Hab da heute ganz zufällig im Mini-Forum was interessantes gefunden…dürfte euch bekannt vorkommen
http://www.mini-forum.de/mini-verkaufen-22/mini-mpi-rost-frei-tuev-05-2012-a-59578.html
Viel Spaß beim Weitersuchen
22. Juni 2010 um 14:44
Muahahaha, sehr geil.
Aber er ist ihn ja jetzt offensichtlich losgeworden. Der arme Käufer
22. Juni 2010 um 18:11
Der ist bestimmt nicht verkauft. Der kommt mit dem Gegenwind nicht klar!
Aber zum Glück wurde er nicht müde den Top Zustand zu beschwören!!!
btw.
Eigentlich könnte man den anrufen und fragen, ob er noch zu haben ist – also der Mini. Nicht der Typ.. Er wird ja nicht wissen, dass ihr in dem Forum mitlest.
23. Juni 2010 um 07:26
“Eigentlich könnte man den anrufen und fragen”
Genau. Und dann im Detail die Liste von Ralle oben abarbeiten: “Und der Wagen ist wirklich auf deine Freundin zugelassen? Ehrlich?” Und unter dem Gummifalz ist wirklich kein Rost? Gar nichts? Ehrlich?” Und Kaufvertrag kannst du vorlegen?” usw.