Heute sind wir wieder am (warn-)streiken. Von unserem ersten Streik, der leider von einem Todesfall überschattet wurde, habe ich ja schon berichtet. Außerdem gab es letzte Woche noch einen großen und sehr eindrucksvollen Warnstreik, bei dem wir mit über 500 Mann in Bussen zu unserer deutschen Konzernzentrale gefahren sind, um dort zu demonstrieren. Von diesem Streik habe ich aber mangels Zeit nicht so berichten können wie ich es wollte. Sorry.
So oder so: offensichtlich haben diese beiden Streiks nichts an der Verhandlungsunlust unserer Geschäftsleitung geändert, also wurden wir gestern kurzfristig erneut zu einem heute stattfindenden Warnstreik aufgerufen. Bei dieser Aktion werden Mitarbeiter aus ganz Deutschland an einem prominenten Ort eine Kundgebung abhalten, um auf unsere Situation aufmerksam zu machen. Dummerweise liegt dieser Ort knapp 400km von hier entfernt, so dass die ganze Aktion von 7 Uhr morgens bis vermutlich 21 Uhr abends dauern wird. Da ich heute aber einen privaten Termin habe, der (für mich) wichtiger ist, kann ich leider nicht teilnehmen.
Weil ich nun aber nicht den Streikbrecher spielen will, habe ich mich dazu entschlossen, heute von daheim mitzustreiken, sozusagen im Home Office (was übrigens völlig legitim ist – ich hätte heute ohnehin von zu Hause gearbeitet).
Und so sitze ich nun hier, meine hässliche rote Gewerkschaftskappe auf dem Kopf, höre die Internationale rauf und runter und arbeite… nicht.

(“Die sollen erst mal bei sich anfangen zu sparen!” ist übrigens so eine Art Running Gag zwischen ein paar Kollegen und mir, weil man auf diese Art der Argumentation immer wieder in der Belegschaft und leider leider auch bei einigen unserer Interessenvertreter trifft)
Ich hoffe inständig, dass die ganze Aktion (bald) funktioniert – eigentlich habe ich nämlich gar keine Lust zu streiken. Wisst ihr: meine Arbeit macht mir Spaß, und ich habe so das eine oder andere Problem damit, sie niederzulegen und damit “meinen” Kunden (denen ich mich verpflichtet fühle) indirekt Schaden zuzufügen… und sei es nur durch Projekte, die sich verzögern. Und von Gewerkschaften halte ich nach wie vor nicht viel.
Auf der anderen Seite hingegen sehe ich keine andere Möglichkeit mehr, mich für meine Rechte – und die meiner Kollegen – einzusetzen. Ich schrieb es schon einmal: wir sind voll ausgelastet, wir haben genug zu tun, aber trotzdem soll auf Befehl von oben (bzw. drüben) jeder vierte Kollege seinen Hut nehmen und gehen. Das ist so lächerlich wie grausam und menschenverachtend, und deshalb muss gegen diesen Businesskasperunsinn vorgegangen werden.
Drückt uns die Daumen!